Kleine Fechtgeschichte
Erste Spuren
Fechten ist Teil der Menschheitsgeschichte und hat immer mit den Sitten und Gebräuchen zu tun. Seit jeher versuchen Menschen Waffen zu erfinden, um sich zu verteidigen. Dazu bedarf es aber nicht nur der Waffen, sondern auch viel an Geschick und Intelligenz. Denkt nur an Kain und Abel...
Die Pharaonen
Ramses III (1190 v. Chr.) lässt seinen Sieg über die Libyer mit „Fechtkämpfen“ feiern. Die Waffen: einfache Stöcke; die Athleten: Sie tragen schon Masken, grüßen sich, kämpfen mit dem Waffenarm und verteidigen sich mit dem anderen, der durch ein Schild geschützt ist. Es gibt Schiedsrichter und die Ergebnisse werden auf Papyrus festgehalten.
Antikes Olympia
400 Jahre später – die ersten Olympischen Spiele (der Antike): Bei den populären Wettkämpfen Mann gegen Mann dürfen nur Griechen mit tadellosem Leumund antreten. Fechtmeister sind schon sehr angesehen und verdienen mit 300 Drachmen mehr als die Meister des Bogenschießens oder des Speerwerfens.
Stoßfechten der Römer
In den römischen Lagern wird gefochten. „Waffendoktoren“ erstellen Verteidigungs- und Angrffsregeln, empfehlen den Fechtern mit der Spitze zuzustechen, weil dies wirkungsvoller ist als mit der Schneidseite Hiebe auszuführen. Unfolgsame Fechtschüler werden bestraft und sogar ausgepeitscht.
Vom Rittertum zur feinen Klinge
17. und 18. Jahrhundert: Fechten ist die dominierende Duell-Art. Diese „Gottesurteile“ werden erst langsam durch „Justiz“, wie wir sie heute verstehen, ersetzt. Als das Schießpulver erfunden wird, „verkommt“ Fechten überhaupt zur elitären Angelegenheit; die Waffe wird mehr und mehr zum Bekleidungsaccessoire. Trotzdem verbreiten sich italienische und spanische Fechtmethoden und erste Ansätze sportlichen Fechtens kommen auf: Distanz halten, abwehren (parieren), den richtigen Moment zum eigenen Angriff suchen. Mit den ersten Floretts wird das Einhandfechten bedeutender.
Italienische Schule
Die Italiener lösen anfangs des 17. Jahrhunderts die Spanier als Fechtmeister ab und schwärmen auch nach Frankreich aus. Französische Fechtmeister frequentieren die italienischen Schulen und den Meisterunterricht. In dieser gemeinsamen Entwicklung formt sich die Vorherrschaft der italienischen und französischen „Fechtschule“. Diese gemeinsamen Wurzeln und die daraus resultierende Rivalität prägen auch heute noch oft den Fechtsport der großen Sportnationen Frankreich und Italien.
Sonnenkönig – Fechterfreund
Unter dem Sonnenkönig Ludwig XIV. erlebt das höfische Fechten einen ersten Höhepunkt. Masken mit Drahtgeflecht kommen auf und alles sieht recht konventionell und hölzern aus. Am Hofe ist eben „blutiges Fechten“ nicht chic. Abseits der Schlösser geht’s rauer zu, nicht sonderlich elegant aber oft mörderisch!
19. Jahrhundert
Leichte und handliche Fechtwaffen lassen neue Techniken entstehen. Fechtmeister entwickeln die Kunst der feinen Kliinge. Private und militärische Fechtschulen verbreiten den Sport. Und als es 1896 in Athen zu den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit kommt, ist Fechten (Florett und Säbel) Programmpunkt (...und das seit damals durchgehend bei allen „Spielen“).
